Aus aktuellem Anlass befasste sich unser Gesprächskreis Außenpolitik mit dem Krieg im Iran, seinen geopolitischen Folgen, den Auswirkungen auf die iranische Bevölkerung und den sich abzeichnenden Veränderungen der Machtstrukturen im Land.
Mit Dr. Fariborz Saremi konnten wir für dieses Thema einen ausgewiesenen Iran-Experten gewinnen. In einem Impulsvortrag und einer anschließenden lebhaften Diskussionsrunde versuchten wir, ein besseres Verständnis für die komplexe geopolitische und inneriranische Lage zu entwickeln.
Dr. Saremi vertrat die Einschätzung, dass wir gegenwärtig an einem historischen Wendepunkt stehen. Der Krieg im Iran sei keine lediglich regionale Auseinandersetzung, sondern ein Konflikt mit weitreichenden internationalen Folgen. Die Entscheidungen, die heute getroffen würden, könnten nicht nur das Schicksal von Millionen Menschen beeinflussen, sondern auch Auswirkungen auf die künftige internationale Ordnung haben.
Ein besonderer Schwerpunkt seines Vortrags lag auf der Rolle der Großmächte. Für China sei der Nahe Osten von erheblicher strategischer Bedeutung – sowohl für die langfristige Energieversorgung als auch für Pekings außenpolitische Positionierung. Dem Iran komme dabei aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle zu. Dr. Saremi ordnete den Konflikt daher auch in den größeren strategischen Wettbewerb zwischen den USA und China um Einfluss und die Gestaltung der internationalen Ordnung ein.
Auch die Rolle Israels wurde intensiv diskutiert. Aus israelischer Perspektive, so Dr. Saremi stehe die eigene Sicherheit im Mittelpunkt. Das iranische Nuklearprogramm sowie die Unterstützung bewaffneter islamistischer Organisationen durch Teheran würden in Israel als erhebliche Bedrohung wahrgenommen. Militärische Entscheidungen Israels könnten deshalb nicht nur den weiteren Verlauf des Konflikts, sondern auch die politische Ordnung des Nahen Ostens nachhaltig beeinflussen.
Bei aller geopolitischen Analyse rückte jedoch immer wieder das Schicksal der Menschen im Iran in den Mittelpunkt. Die iranische Bevölkerung leidet seit Jahren unter politischen Repressionen, wirtschaftlichen Problemen und internationalen Sanktionen. Durch den Krieg kommt nun zusätzlich die unmittelbare Erfahrung militärischer Gewalt und Zerstörung hinzu.
Damit stellte sich auch die Frage, welche Perspektiven sich für die iranische Gesellschaft nach dem Krieg eröffnen könnten. In der Diskussion bestand Einigkeit darüber, dass eine dauerhafte Stabilisierung der Region letztlich nicht allein durch militärische Mittel erreicht werden kann. Diplomatie, politische Verständigung und die Möglichkeit der iranischen Bevölkerung, über ihre eigene Zukunft zu entscheiden, werden dabei eine zentrale Rolle spielen.
Gut 20 Mitglieder und Gäste nahmen an der Veranstaltung teil. Besonders gefreut hat uns, dass wir darunter auch zwei Vertreter des chinesischen Generalkonsulats begrüßen durften.
Die positive Resonanz auf den Abend zeigte, wie groß das Interesse an einem vertieften außenpolitischen Austausch ist. Es bestand daher der einhellige Wunsch, weitere Gesprächsrunden folgen zu lassen.
