Ende Juli wurde die neue Sternbrücke installiert – im Volksmund längst als „Monsterbrücke“ bekannt. Dass die Brücke die bestehenden Dimensionen vor Ort sprengen würde, war immer klar. Als die Brücke dann stand, hat es auch der Verkehrssenator gemerkt und hatte auch sofort eine Lösung parat: der Wohnungsbau muss hier in die Höhe gehen. Allerdings ist die Bebauung in diesem Bereich nicht Aufgabe der Verkehrsbehörde, sondern der Bezirkspolitik. Meine aktuelle schriftliche kleine Anfrage zeigt jedoch etwas Schlimmeres: rund um die Sternbrücke ist überhaupt noch nichts geplant, es ist noch völlig offen, wie es weitergeht. Mit der Forderung nach einer stützenfreien Brücke hat die Verkehrsbehörde sich einen großen Raum geschaffen, von dem sie bis heute – 6 Jahre nach Planungsbeginn – nicht weiß, wie sie ihn nutzen will. Genauso wenig gibt es konkrete Vorstellungen vom wann und wie des Wohnungsbaus. Nur eine Sache ist klar: das versprochene neue Clubhaus mit Kita – im Dezember 2020 groß angekündigt von den Senatoren Dressel und Tjarks – kommt nicht. Das Versprechen wurde stillschweigend einkassiert.Ansonsten herrscht in allen zentralen Fragen rund um das Quartier weiterhin Unklarheit, teils sogar Stillstand.
Verkehrsraum unter der Brücke: Warten auf die Erprobung
Wie der Verkehrsraum unter der neuen Brücke künftig aussehen soll, ist noch immer offen. Eine „Erprobungsphase“ mit provisorischer Verkehrsführung soll Erkenntnisse liefern – Dauer voraussichtlich sechs bis neun Monate, aber erst, wenn die Bahn ihre Baustellenflächen freigibt. Einen verbindlichen Zeitplan bis zur endgültigen Umsetzungkann der Senat weiterhin nicht vorlegen. Von den einst avisierten Wohnbauflächen im Sternbrücken-Umfeld bleibt wenig übrig: Das Grundstück Max-Brauer-Allee/Schulterblatt (125 Wohneinheiten) ist wegen ungeklärter Überlegungen zu einem zweiten S-Bahn-Tunnel „auf nicht absehbare Zeit“ blockiert. Für die zweite Fläche (36 Wohneinheiten) gibt es ebenfalls keinen konkreten Zeithorizont. Sechs Jahre nach den ersten Ankündigungen zeigt sich: Verkehrsführung, Kulturangebot und Wohnungsbau rund um die Sternbrücke stehen weiterhin ohne verlässlichen Fahrplan da. Wer den Menschen vor Ort Planungssicherheit verspricht, muss auch liefern. Die Sternbrücke liegt mit in einem gewachsenen Stadtteil, bei dem es nun darauf ankommen wird, gute Lösungen für Wohnen und Verkehr zu entwickeln, die den „Maßstabsverstoß“ bei der Sternbrücke auffangen und ein gutes Lebensumfeld in diesem Quartier schaffen.
