Ein Stromausfall. Eine Evakuierung. Eine Sturmflut. In solchen Momenten zählt jede Minute. Dann muss klar sein, wer Hilfe braucht — und wo diese Menschen zu finden sind.

Besonders gefährdet sind Menschen, die zu Hause leben und auf Unterstützung angewiesen sind: Menschen mit Behinderung, Pflegebedarf, schweren Erkrankungen oder eingeschränkter Mobilität. Wer in einer Einrichtung lebt, ist für Behörden meist bekannt. Wer aber allein oder mit Unterstützung in der eigenen Wohnung lebt, kann im Ernstfall schnell übersehen werden.

Genau das hat der Senat auf meine Anfrage eingeräumt: Für diese Menschen gibt es in Hamburg bisher kein verlässliches System. Es wird geprüft, aber noch nicht gehandelt.

Dabei liegt ein wichtiger Baustein auf der Hand: ein freiwilliges Notfallregister. Menschen könnten selbst entscheiden, ob sie sich eintragen und welche Informationen sie hinterlegen — zum Beispiel, ob sie auf einen Rollstuhl, ein Beatmungsgerät, Medikamente, einen Pflegedienst oder eine Vertrauensperson angewiesen sind.

Das ist keine staatliche Erfassung, sondern selbstbestimmte Vorsorge. Die Betroffenen behalten die Kontrolle über ihre Daten. Gleichzeitig könnten berechtigte Stellen und Hilfsorganisationen im Krisenfall auf die notwendigen Informationen zugreifen, um schneller und gezielter Hilfe zu organisieren.

Natürlich wird ein freiwilliges Register nie alle erreichen. Aber das ist kein Argument gegen seine Nutzung. Auch ein unvollständiges Register kann im Ernstfall entscheidend sein. Wenn Einsatzkräfte und Hilfsorganisationen wissen, wo besondere Unterstützung gebraucht wird, kann Hilfe schneller ankommen.

Gerade deshalb ist ein solches Register so naheliegend: Es ist einfach, bürokratiearm und vergleichsweise günstig. Es braucht keine neue große Verwaltungsstruktur, sondern klare Regeln, verlässliche Zugriffsrechte und eine gute Information der Menschen, für die es gedacht ist. Es ist eine pragmatische Lösung für ein sehr konkretes Problem.

Katastrophenschutz darf nicht nur vom Schreibtisch aus gedacht werden. Er muss dort funktionieren, wo Menschen leben: im Stadtteil, im Quartier, in der Nachbarschaft. Pflegedienste, Sozialverbände, Selbstvertretungen, Kirchengemeinden, Apotheken, Wohnungsunternehmen, Vereine und Nachbarn können dabei eine wichtige Rolle spielen.

Hamburg sollte deshalb nicht weiter nur prüfen. Das freiwillige Notfallregister muss als Baustein eines modernen Katastrophenschutzes erprobt und verbindlich eingebunden werden — mit klaren Datenschutzregeln, geregeltem Zugriff für berechtigte Hilfsorganisationen und einer aktiven Information der Betroffenen.

Denn im Ernstfall zählt nicht, wie gut ein Konzept klingt. Dann zählt, ob Hilfe ankommt.