Hamburg redet viel über Fachkräftemangel, Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsbranchen. Aber ausgerechnet dort, wo die Fachkräfte von morgen ausgebildet werden, fehlt es an strategischer Steuerung: bei den berufsbildenden Schulen.

Dabei ist berufliche Bildung keine Nebensache der Schulpolitik. Sie ist ein zentraler Teil moderner Wirtschafts- und Standortpolitik. Ohne starke berufliche Bildung gibt es keine verlässliche Fachkräftesicherung, keine Innovationskraft und langfristig auch keinen Wohlstand.

Schon heute zeigen sich deutliche Passungsprobleme: Bildungsgänge, Lehrkräftebestand und wirtschaftlicher Bedarf greifen nicht ausreichend ineinander. Entscheidend ist an beruflichen Schulen nicht nur die Zahl der Lehrkräfte, sondern ihre fachliche Qualifikation. Wer kann welche technischen, kaufmännischen, sozialen oder digitalen Inhalte unterrichten? Genau diese Passung ist vielerorts nicht mehr gesichert.

Besonders alarmierend ist: Wenn 55 fertig ausgebildete Lehrkräfte für berufliche Schulen zur Verfügung stehen, aber nur elf übernommen werden sollen, während zugleich an anderer Stelle Bedarf besteht, dann ist das kein normaler Verwaltungsvorgang. Dann stimmt das System nicht. Hamburg bildet junge Menschen über Jahre aus – und lässt sie anschließend ohne Perspektive stehen, weil Ausbildung, Bedarf und Einstellungspolitik nicht zusammenpassen.

Das ist teuer, ineffizient und verantwortungslos: gegenüber den jungen Lehrkräften, den Schulen, den Ausbildungsbetrieben und dem Wirtschaftsstandort Hamburg.

Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Energiewende, demografischer Wandel und neue Berufsbilder stellen völlig neue Anforderungen. Hamburgs berufliche Schulen müssen deshalb stärker an den Zukunftsfeldern unserer Stadt ausgerichtet werden: Hafen, Logistik, Luftfahrt, Industrie, Handwerk, Gesundheit, Pflege, Digitalisierung, KI, Energie, Gebäudetechnik, Handel, Dienstleistungen und internationale Wirtschaft.

Für die CDU-Fraktion fordert Antje Müller-Möller deshalb einen Neustart in der strategischen Steuerung der beruflichen Bildung. Wir brauchen eine ehrliche Bestandsaufnahme: Wo fehlen Lehrkräfte? Wo gibt es Überhänge? Welche Fachrichtungen werden künftig gebraucht? Welche Schulprofile passen zu den wirtschaftlichen Clustern Hamburgs?

Auch das Silodenken muss enden. Schulbehörde, Wirtschaftsbehörde, Wissenschaftsbehörde, Universität, HIBB, Kammern, Verbände und Sozialpartner müssen gemeinsam planen – entlang der realen wirtschaftlichen Entwicklung Hamburgs.

Die bestehenden Passungsprobleme sind ein Warnsignal. Hamburg darf sie nicht länger verwalten. Es muss handeln.

Berufliche Bildung ist Fachkräftesicherung, Innovationspolitik und Standortpolitik zugleich. Wer Hamburgs Wohlstand sichern will, muss Ausbildung, Schulen, Personalplanung und Wirtschaftsentwicklung endlich zusammendenken.

Hamburg braucht Klarheit, Steuerung und Transparenz. Nicht irgendwann. Sondern jetzt.