Neues Ruf-Taxi im Hamburger Westen ist ein Anfang – aber für Alltag, Arztbesuch und Einkauf reicht das nicht

Teile des Hamburger Westens sind schlecht an Bus und Bahn angebunden. Seit April 2026 soll ein neues Ruf-Taxi-Angebot diese Lücke zumindest teilweise schließen: „Na Huus, to de Bahn“ bringt Fahrgäste in Rissen, Sülldorf, Iserbrook und Blankenese für sechs Euro von der Haustür zur nächstgelegenen S-Bahn-Station – oder von dort wieder nach Hause. Das ist ein guter Anfang. Der entscheidende Haken: Das Angebot fährt nur abends und nachts. Tagsüber, wenn Menschen zum Arzt, zur Apotheke, zum Einkaufen oder zu Behörden müssen, bleibt die Versorgungslücke bestehen. Antje Müller-Möller, Bürgerschaftsabgeordnete für Altona-West und Fachsprecherin der CDU-Fraktion für Menschen mit Behinderung, fordert deshalb deutliche Nachbesserungen.

Auf Initiative von Antje Müller-Möller hat die CDU-Fraktion mit einer Schriftlichen Kleinen Anfrage nachgehakt. Die Antworten des Senats und weitere Nachforschungen zeigen: Das Angebot hilft – aber es greift viel zu kurz.

Seit April 2026 betreiben Hansa Funktaxi und FreeNow gemeinsam ein Ruf-Taxi-Angebot für Altona-West. Fahrgäste können sich zwischen einer Wunschadresse im Bediengebiet und der nächstgelegenen S-Bahn-Station fahren lassen – also nach Iserbrook, Sülldorf, Blankenese, Rissen oder im Einzelfall Hochkamp. Auch die Rückfahrt von der Station bis zur Haustür ist möglich.

Das Problem sind die Zeiten: Gefahren wird ausschließlich abends und nachts. Sonntag bis Donnerstag in der Regel von 21 Uhr bis 0.30 Uhr, freitags, samstags und an Abenden vor Feiertagen von 21 Uhr bis 5 Uhr morgens. Tagsüber fährt das Angebot nicht.

Damit bleibt ausgerechnet dann eine Lücke, wenn die meisten alltäglichen Wege anfallen: zu Arztpraxen, Apotheken, Geschäften, Behörden oder sozialen Einrichtungen. Gerade ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und mobilitätseingeschränkte Personen sind aber häufig auf flexible, wohnortnahe Angebote angewiesen.

„Mobilität ist die Voraussetzung dafür, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben – für ältere Menschen ebenso wie für Menschen mit Behinderungen oder anderen Mobilitätseinschränkungen“, sagt Antje Müller-Möller. „Wenn der Weg zum Arzt, zur Apotheke oder zum Einkaufen zur täglichen Hürde wird, ist das mit dem Anspruch einer inklusiven Stadt nicht vereinbar.“

Genau hier setzt ein Antrag an, den Antje Müller-Möller gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der CDU-Fraktion in die Bürgerschaft eingebracht hat. Der Senat soll prüfen, in welchen Randgebieten Hamburgs ein besonderer Bedarf an flexiblen Mobilitätsangeboten für ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen und mobilitätseingeschränkte Personen besteht. Außerdem soll geprüft werden, ob MOIA oder vergleichbare Ruf-Angebote zumindest an einzelnen Werktagen tagsüber auf diese Gebiete ausgeweitet werden können. Bis zum 30. September 2026 soll der Senat der Bürgerschaft berichten.

„Der Koalitionsvertrag bekennt sich ausdrücklich dazu, Hamburg zur Inklusionsmetropole zu entwickeln und altersgerecht zu gestalten“, so Antje Müller-Möller. „Jetzt muss der Senat zeigen, wie ernst er es damit meint. Ein Angebot, das nur nachts existiert, reicht für Teilhabe im Alltag nicht aus.“

Das neue Ruf-Taxi ist deshalb ein erster Schritt – und ausdrücklich zu begrüßen. Aber es löst das eigentliche Problem nicht. Öffentlicher Nahverkehr ist Daseinsvorsorge. Der Senat muss auch in Randlagen und für Menschen mit kleinem Budget eine verlässliche und bezahlbare Anbindung sicherstellen. Wo Bus und Bahn an Grenzen stoßen und sich kein privater Anbieter eigenwirtschaftlich engagiert, braucht es ergänzende flexible Angebote. Die CDU wird darauf achten, dass auf die Prüfung durch den Senat konkrete Verbesserungen folgen.