Zum Jahresende soll die Finanzierung der „Palette Straßensozialarbeit Altona“ in der Stresemannstraße auslaufen. Die niedrigschwellige Anlaufstelle erreicht insbesondere wohnungslose und suchtkranke Menschen rund um den Holstenbahnhof, darunter viele Menschen mit intensivem Crackkonsum. Der Senat begründet das Aus unter anderem damit, dass die Palette ursprünglich als Übergangsangebot eingerichtet wurde.
Für die Andreas Grutzeck bleiben jedoch wichtige Fragen offen: Im Umfeld der geplanten Schließung wird auch die Frage aufgeworfen, ob die Auslastung der neuen Tagesaufenthaltsstätte (TAS) in der Stresemannstraße dabei eine Rolle spielt. Doch die TAS kann ein spezialisiertes Angebot für Menschen mit Crackkonsum nicht einfach ersetzen. Wie also wird sichergestellt, dass die bisher von der Palette erreichten Menschen künftig tatsächlich fachlich angemessen versorgt werden?
Nach den bisherigen Plänen sollen suchtkranke Menschen, die bislang die Palette nutzen, verstärkt an bestehende Angebote der Suchthilfe angebunden werden – insbesondere an Stay Alive in Altona. Doch bislang ist offen, wie viele zusätzliche Menschen dort tatsächlich aufgenommen und bedarfsgerecht versorgt werden können. Grutzeck fragt deshalb nach der tatsächlichen Auslastung, möglichen Abweisungen sowie zusätzlichen Personal-, Raum- und Sachressourcen.
Gerade mit Blick auf die neue Tagesaufenthaltsstätte in der Stresemannstraße ist die Abgrenzung wichtig: Die Palette erreicht insbesondere Menschen mit Suchterkrankungen und intensivem Crackkonsum. Die TAS richtet sich dagegen allgemein an wohnungslose Menschen und verfügt nicht über die spezialisierten Angebote der Suchthilfe. Eine bloße Verlagerung der bisherigen Palette-Nutzerinnen und -Nutzer wäre daher keine gleichwertige Fortführung des Angebots.
Hinzu kommt eine weitere offene Frage: Nach Angaben aus dem Sozialausschuss soll für Stay Alive eine gerichtlich festgelegte Obergrenze für die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer bestehen. Grutzeck möchte wissen, ob dies zutrifft, wie hoch eine solche Grenze gegebenenfalls ist, ob sie bislang eingehalten wurde und wie ihre Einhaltung sichergestellt wird. Außerdem fragt er, ob und wie zusätzliche Kapazitäten bei Stay Alive rechtssicher geschaffen werden können.
Die Diskussion um die Palette zeigt damit auch eine grundsätzlichere Herausforderung der Hamburger Drogen- und Obdachlosenhilfe: Wenn ein niedrigschwelliges Angebot wegfällt, muss geklärt sein, wo und wie die Menschen anschließend tatsächlich erreicht werden. Gerade bei Menschen mit intensivem Crackkonsum reicht ein Verweis auf andere Einrichtungen allein nicht aus. Der Senat muss darlegen, wie die Versorgung nach dem geplanten Ende der Palette konkret sichergestellt werden soll.
