Am 29. August 2026 fand in der Hauptkirche St. Jacobi in Hamburg eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 85. Jahrestages der Deportation der Russlanddeutschen in der Sowjetunion statt. Der 28. August 1941 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Deutschen in der damaligen Sowjetunion. Hunderttausende Menschen wurden allein aufgrund ihrer deutschen Herkunft verfolgt und entrechtet. Familien wurden auseinandergerissen, Eigentum wurde entzogen und zahlreiche Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Viele mussten den Weg nach Kasachstan oder Sibirien antreten. Unter den unmenschlichen Bedingungen von Deportation, Zwangsarbeit und staatlicher Unterdrückung verloren zahlreiche Menschen ihr Leben.
Einen besonders eindrücklichen Teil der Gedenkveranstaltung bildeten die persönlichen Berichte von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Sie gaben den historischen Ereignissen eine persönliche Stimme und machten erfahrbar, wie Deportation, Verlust und Heimatlosigkeit Familien über Generationen geprägt haben. Mit dem Entzünden von Kerzen, einer Schweigeminute, dem Beitrag des Pastors und dem gemeinsamen Vaterunser erhielt das Gedenken zugleich einen christlichen Rahmen. Auch Musik und Kultur nahmen einen wichtigen Platz ein.
Dr. Kaja Steffens nahm für die CDU an der Veranstaltung teil und richtete ein Grußwort an die Anwesenden. Sie machte in ihrem Grußwort deutlich, dass dieses Gedenken weit über den Blick in die Vergangenheit hinausgeht: „85 Jahre später bleibt es unsere Aufgabe, an dieses Unrecht und an seine Opfer zu erinnern. Diese Erinnerung ist mehr als ein Blick in die Vergangenheit. Sie ist Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber den Betroffenen, ihren Familien und den nachfolgenden Generationen.“ Dabei benannte sie auch klar die historische Verantwortung und erinnerte an die Opfer des Stalinismus: „85 Jahre nach dem Deportationserlass vom 28. August 1941 erinnern wir an diejenigen, die verfolgt, verschleppt und entrechtet wurden, und an jene, die unter der stalinistischen Gewaltherrschaft ihr Leben verloren.“ Gleichzeitig würdigte Dr. Kaja Steffens die besondere Kraft, mit der viele Deutsche aus Russland trotz Vertreibung, Repression und jahrzehntelanger Unterdrückung ihre kulturelle Identität bewahrt haben. Sprache und Traditionen, Lieder und christlicher Glaube, ein ausgeprägter Familiensinn sowie die Verbundenheit mit Deutschland blieben über Generationen lebendig. Gerade der kulturelle Teil der Gedenkveranstaltung machte diese Verbindung von Erinnerung, Identität und Gemeinschaft auf besondere Weise sichtbar. Nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland haben viele Deutsche aus Russland einen Neuanfang gewagt und Verantwortung übernommen. Sie haben Familien gegründet, Unternehmen aufgebaut und sich in Vereinen, Gemeinden und vielen weiteren Bereichen unserer Gesellschaft eingebracht. Damit haben sie Deutschland nicht nur zu ihrer Heimat gemacht, sondern unser Land mitgestaltet und geprägt. Dr. Kaja Steffens unterstrich deshalb: „Die Geschichte der Deutschen aus Russland darf nicht als Randnotiz unserer Vergangenheit verstanden werden. Sie gehört in die Mitte unseres gemeinsamen historischen Gedächtnisses.“
Die Gedenkveranstaltung in St. Jacobi verband historische Erinnerung, persönliche Schicksale, christlichen Glauben und kulturelle Tradition miteinander. Sie erinnerte an das schwere Unrecht der stalinistischen Gewaltherrschaft und würdigte zugleich die Lebensleistung der Deutschen aus Russland. Dr. Kaja Steffens fasste diesen Gedanken am Ende ihres Grußwortes zusammen: „Deutschland ist ihre Heimat. Die Deutschen aus Russland sind Teil unserer gemeinsamen Geschichte, unserer Gegenwart und unserer Zukunft.“
