Die aktuellen Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen für Hamburg sind alarmierend, wie eine Anfrage der Abgeordneten Antje Müller-Möller ergab. Im Untersuchungsjahr 2024/25 wurden bei 4.530 Kindern Entwicklungsauffälligkeiten festgestellt – das sind 25,1 Prozent aller untersuchten Kinder. Besonders auffällig sind die Probleme im Bereich Sprache und beim Sprechen, aber auch bei der Visuomotorik. Hinzu kommt: In den erfassten Bereichen sind Jungen deutlich häufiger betroffen als Mädchen.
Besonders unerquicklich ist das beim Thema Sprache. Kinder werden bereits im Rahmen der 4,5-jährigen Vorstellung auf ihre Sprachkompetenzen überprüft, und bei festgestelltem Förderbedarf ist Förderung vorgesehen. Wenn dennoch weiterhin so viele Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten eingeschult werden, dann ist offenkundig, dass das bestehende System nicht ausreichend greift. Der Senat darf sich deshalb nicht länger mit dem Hinweis auf bestehende Programme begnügen. Er muss endlich erklären, warum die Maßnahmen nicht in ausreichendem Umfang wirken – und vor allem, wie er das ändern will.
Gerade die visuomotorischen Auffälligkeiten verdienen mehr Aufmerksamkeit, als sie bislang in der bildungspolitischen Debatte bekommen. Visuomotorik beschreibt vereinfacht gesagt das Zusammenspiel von Sehen und gezielter Bewegung – also zum Beispiel, ob ein Kind das, was es wahrnimmt, mit der Hand passend umsetzen kann. Das ist eine wichtige Grundlage für das Schreiben, Malen, Ausschneiden, sauberes Arbeiten im Unterricht und viele weitere Lernprozesse. Wenn hier bereits vor der Einschulung erhebliche Auffälligkeiten bestehen, ist das keine Nebensache, sondern ein ernstes Signal.
Das eigentliche politische Problem ist aber: Diese Entwicklung ist seit Längerem erkennbar, und trotzdem zeigt der Senat bis heute nicht auf, wie dieser Zustand grundlegend verbessert werden soll. In seiner jüngsten Antwort zur SKA beschreibt der Senat zwar Verfahren, Zuständigkeiten und statistische Grenzen, präsentiert aber keine neuen konkreten Ideen, wie die frühe Förderung wirksamer, verbindlicher und zielgenauer werden kann. Auch die mangelnde Verzahnung zwischen Viereinhalbjährigen-Vorstellung und Schuleingangsuntersuchung wird eher verwaltet als gelöst.
Als CDU haben wir genau deshalb bereits 2023 gefordert, die Viereinhalbjährigen-Vorstellung vorzuziehen und auszuweiten. Der Entwicklungsstand von Kindern soll nicht erst mit 4,5 Jahren, sondern bereits mit Beginn des vierten Lebensjahres systematisch festgestellt werden. Außerdem darf sich der Blick nicht nur auf Sprache verengen. Förderbedarfe müssen ebenso in motorischen, sozialen und mathematischen Bereichen früh erkannt und verbindlich aufgegriffen werden.
Weil der Senat in seiner letzten Antwort weiterhin keine überzeugende Verbesserungsperspektive erkennen lässt, haben wir Anfang 2026 erneut nachgelegt. Unser Ziel ist klar: Frühförderung muss früher einsetzen, verbindlicher organisiert und besser zwischen Kita, Vorschule, Schule und schulärztlichem Dienst verzahnt werden. Wer die Probleme seit Jahren kennt und trotzdem keine erkennbare neue Strategie vorlegt, darf sich nicht wundern, wenn sich an den Ergebnissen zu wenig ändert.
Hamburg braucht jetzt keine weiteren Beschwichtigungen, sondern endlich eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine Frühförderpolitik, die diesen Namen auch verdient. Gute Startchancen dürfen nicht vom Zufall abhängen.
