Alkohol- und Drogenmissbrauch in Altona/Elbvororte – haben wir ein Problem?

Zukunftsforum Veranstaltung 20210414 DrogenmissbrauchAm 14. April 2021 begann unsere Veranstaltungsreihe des Zukunftsforums „Jugend“. Was können wir als wesentliches Ergebnis festhalten?

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In unserer Auftaktveranstaltung haben wir erfahren, dass es Gründe gibt, sich über das Wohlbefinden unserer Kinder und Jugendlichen zu sorgen. Wie Theo Baumgärtner von Sucht.Hamburg ausgeführt hat, sinkt die Zufriedenheit der Kinder und Jugendlichen mit ihrer Lebenssituation und insbesondere mit sich selbst seit dem Jahr 2012 nach den Ergebnissen der SCHULBUS-Umfrage, die zuletzt im Jahr 2018 von Sucht-Hamburg durchgeführt wurde, deutlich.

Wir haben von Dr. Claudia Haupt, Kinder- und Jugendärztin in Blankenese und 1. stellvertr. Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V. gehört, dass die psychischen Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen seit längerem erheblich zunehmen und sie dies auch in ihrer Praxis erlebt. Die Corona-Pandemie verschärft die Lage, wie wir seit der COPSY-Studie (Corona und Psyche) des UKE wissen.

Psychische Destabilisierung und Unzufriedenheit sind an sich schon Veranlassung genug, etwas zu unternehmen. Sie führen aber zudem zu einer höheren Bereitschaft zu Drogen- und Alkoholmissbrauch und Suchtgefahr. Die Wartelisten für Therapieplätze wegen Suchtproblemen sind in Hamburg derzeit lang – bis zu drei Monate. Die Zahl der Hilfesuchenden in den Jugenddrogenberatungsstellen ist deutlich gestiegen - ebenfalls mit Wartezeiten von bis zu vier Wochen.

Wir haben in Altona und den Elbvororten einen sog. hohen Sozialindex, kurzgesagt, es gibt teilweise viel Wohlstand. Wie Theo Baumgärtner ausgeführt hat, bedeutet – überraschend oder nicht - ein hoher Sozialindex aber auch einen höheren Alkoholkonsum unter Kindern und Jugendlichen. Für ganz Hamburg gilt, dass im Jahr 2018 18 % aller Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren einen problematischen Alkoholkonsum hatten, d. h., dass sie mehrmals monatlich mehr als fünf Standardgläser Alkohol bei einer Trinkgelegenheit konsumierten (sog. „Binge Drinking“). Fünf Prozent aller Jugendlichen hatten einen problematischen Umgang mit Cannabis (mehr als zwei Punkte auf der Severity of Dependence Scale) und vier Prozent mit anderen illegalen Drogen (Konsum von mindestens einer oder mehreren Drogen in den letzten 30 Tagen). Genauere Daten für Altona und die Elbvororte darf Sucht.Hamburg aus datenschutzrechtlichen Gründen leider nicht bekanntgeben.

Dabei gibt es eine direkte Abhängigkeit zwischen der Entwicklung eines sog. problematischen Umgangs mit Alkohol und dem Alter beim ersten Konsum. Für diejenigen Jugendlichen, die bei ihrem ersten Konsum 14 Jahre oder jünger waren, beträgt das Risiko eines problematischen Konsums 55 Prozent - bei denen die 15 Jahre oder älter waren, 33 Prozent. Ähnliches gilt für Cannabis- und auch Tabak-Konsum. Es lohnt sich also, den Umgang mit den potentiellen Suchtmitteln möglichst hinauszuzögern. Dr. Claudia Haupt hat dies aus ärztlicher Sicht unterstrichen und erläutert, dass das – sogar bis 21 Jahren - noch nicht ausgereifte, jugendliche Gehirn besonders verletzlich, u. U. nachhaltig, auf Alkohol- und Cannabis-Konsum reagiert.

Die mitdiskutierenden Jugendlichen verwiesen auf die tiefe, kulturelle Verwurzelung von Alkohol in ihrem Umfeld. Die Älteren gäben die Trinkkultur an die Jüngeren weiter.

Theo Baumgärtner hielt fest, dass Begriffe wie Genuss, Mäßigung, Selbstdisziplin, Innehalten, Angemessenheit und Anlassorientierung verblassen und nach und nach in unserer konsum-, leistungs- und erlebnisorientierten Welt zugunsten des Lebensgefühls eines „Immer mehr“ zurücktreten.

Zusammenfassend ergibt sich:  Gerade jetzt – unter den Auswirkungen der Pandemie - sind die Themen: „Wie geht es unseren Kindern und Jugendlichen und was können wir tun, um ihre Zufriedenheit, seelische Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gegen Suchtgefahren zu fördern?“ drängend wie selten zuvor.

In unserer nächsten Online-Veranstaltung Suchtprävention 2.0 – Was brauchen unsere Kinder und Jugendlichen?  am 6. Mai 2021 um 18.30 Uhr wollen wir uns der Frage annehmen: Was können wir tun, damit es unseren Kindern und Jugendlichen gut geht und sie zugleich weniger anfällig für Alkohol- und Drogenmissbrauch sind? Der Schwerpunkt soll bei dieser Veranstaltung im Sport- und Freizeitbereich liegen. Was können wir insbesondere dort tun?

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